Die Geschichte der LFS Otterbach
Hier finden Sie Auszüge aus der Festschrift 100 Jahre Otterbach 1911-2011
Redaktionsteam:
Direktor Ing. Anton Langbauer
Ing. Johann Mayer, Berta Schmid, Gertraud Schrems
Lehrerinnen und Lehrer der Fachschule
Layout: Ing. Johann Mayer
Druck: Druckerei Wambacher Vees e.U.
Auflage 2000 Stk.
ISBN: 978-3-85360-013-9
Bilder:
Fotos aus dem Archiv der Fachschule Otterbach,
aufgenommen von Stephan Sternad, Michael Brandmayr, Johann Mayer u.a. Lehrern der Fachschule
Kopien aus den Unterlagen über die Fachschule im Landesarchiv in Linz
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Im Rahmen des Gedenkjahres 2025 haben sich auch unsere Schüler:innen mit Georg Wieninger und seinem Wirken auseinandergesetzt
Georg Wieninger | Gedenkjahr 2025 zum 100. Todestag
Österreichischer Agrarwissenschaftler Bierbrauer und Politiker
Georg Wieninger prägte mit seinen Errungenschaften die Landwirtschaft und das Gemeinwesen seiner Zeit.
1887 übernahm er die Wieninger-Brauerei und das Familiengut in Otterbach, wo er ein Mustergut und Privatmuseum aufbaute. Bereits 1884 ließ er im Park der Orangerie eine Gärtnerei anlegen und ein Gewächshaus mit Gärtnerwohnung errichten.
Ab 1890 investierte er in Kaffeeplantagen in Paraguay und gründete zahlreiche landwirtschaftliche Einrichtungen: 1890 die Bäuerliche Volkshochschule, die bis 1910 rund 57.800 Menschen schulte, 1899 eine landwirtschaftlich-chemische Versuchsanstalt – heute AGES – sowie 1900 eine Verkaufsgenossenschaft für Butter in Schärding. Mit der Simmentaler Rinderrasse legte er den Grundstein für den heutigen Fleckviehzuchtverband (FIH).
1906 folgte die Errichtung einer Saatzuchthalle und die Entwicklung einer modernen Fruchtfolge, die wichtige Impulse für die Humusbildung setzte.
1910 eröffnete er eine Landwirtschaftsschule mit einer einjährigen Haushaltungsschule für Bauerntöchter und einer zweijährigen landwirtschaftlichen Frauenschule zur Ausbildung von Wanderlehrerinnen, Haushaltungslehrerinnen und Fachkräfte für Kurse (vergleichbar mit den heutigen Seminarbäuerinnen).
Er widmete sich auch der Fisch- und Perlmuschelzucht sowie der Züchtung neuer Getreidesorten, die heute in der AGES-Gendatenbank bewahrt werden.
Nebenbei war er Vizebürgermeister von Schärding und paraguayischer Ehrenkonsul.
Georg Wieninger starb 1925 in Wien und wurde in der Familiengruft in Schärding beigesetzt.
Sein Erbe wird bis heute weitergeführt.
Pflanzenbauliche Meilensteine von Georg Wieninger
Gründung der landwirtschaftlich-chemischen Versuchsstation
Der Schwerpunkt in der Versuchsarbeit lag in der Getreidesorten-Prüfung, Düngerforschung, sowie in der Grassamenzucht. In den Jahren 1901-1907 befasste man sich vor allem mit der Grunddüngung auf schweren Böden, Kalkdüngung, Düngerversuchen mit Weizen und Gerste. Verbesserung des Futterbaus zur Leistungssteigerung Forciert wurde die Aussaat von Kleegras, das sich gegenüber Rotklee als Futtergrundlage mehr bewährt hatte und eine Mischung von Hafer, Erbsen und Pferdebohnen zur Stickstoffanreicherung des Bodens. Wieninger schränkte den Getreidebau zugunsten des Futterbaus immer mehr ein. Die Fruchtfolge wurde von der klassischen Dreifelderwirtschaft auf eine achtschlägige Fruchtfolge ausgedehnt, die nach folgendem Schema gestaltet wurde (Luzerne als Außenschlag):
1. Gerste 2. Erbsen, Hafer und Pferdebohnen 3. Roggen 4. Hafer 5. Kartoffeln 6. Kleegerste 7. Klee bzw. Kleegras 8. Weizen 9. Luzerne
Getreidebau und Züchtung
Das Ziel des Getreidebaus bestand darin, auf der gegebenen Fläche einen größtmöglichen Ertrag zu erzielen. Wieninger verwendete ausschließlich Elitesaatgut, welches jährlich sorgfältig ausgesucht, separat gezüchtet und dann erst zur Saat zugelassen wurde. In jahrelanger Arbeit gelang es Wieninger, durch die Veredelung von Lokalsorten, ausgesprochen ertragreiche und widerstandsfähige Sorten, wie z.B. Otterbacher Weizen, Otterbacher Sommergerste, Otterbacher Roggen zu züchten, die damals auch Basis für die Züchtung bis hin zu modernen Getreidesorten waren.
Bei der landwirtschaftlichen Ausstellung der Gartenschau der sind diese Otterbacher Sorten, neuen, modernen Sorten gegenübergestellt.
Spannende Fakten
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Der Bau der Schule kostete 1910 - 90.000 Kronen und 20.000 Kronen für das Inventar.
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Die Teilnehmerinnen der Frauenschule zahlten pro Jahr 1100 Kronen und der Besuch für Schülerinnen kostete 450 Kronen.
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1887 gab es bereits eine Telefonleitung zwischen Otterbach und dem Privathaus von Wieninger
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Es gab im Museum in Otterbach 66.000 Exponate zur Ausstellung (Bekannt war die Wieninger Kuh mit der er auch auf Weiterbildungen unterwegs war)
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Der Otterbach wurde ab 1891 zur Erzeugung von elektrischem Strom, zum Tränken des Viehs, zur Spülung der Kanäle und auch zur Wiesenbewässerung genutzt.
Geschichtliche Entwicklung
1919 wurde die Schule von der OÖ Landesregierung gekauft und 1920 startete die erste landwirtschaftliche Winterschule für Burschen.
1921 übersiedelte die Mädchenschule nach Bergheim und das Schulgebäude wurde für 2 Klassen umfunktioniert.
Von 1939 bis 1946 wurde in Otterbach wieder eine Mädchenklasse geführt, welche dann nach Mauerkirchen übersiedelte.
1944 wurde der Schulbetrieb wegen der Kriegsereignisse aufgelassen und nach dem Krieg im Dezember 1945 wieder aufgenommen.
Ab dem Schuljahr 1976/77 wurde die Fachschule als 3-Jährige Schule geführt.
Geschichte des Landesgutes
Otterbach wird bereits seit 1130 in den Urkunden von Vornbach als Sitz der Edlen und Freien erwähnt.
1833 wurde der Meierhof Otterbach von Felix Wieninger gekauft, der den abgewirtschafteten Hof neu aufbaute. Sein Sohn Georg Wieninger übernahm den Hof.
Neben der Rinderhaltung begann er eine Pferdezucht, eine Fisch- und Perlmuschelzucht und führte 1872 die Simmentaler Rinderrasse ein. Ein besonderes Anliegen war ihm die Rinderzucht, welche 1894 zur ersten Generalversammlung des Verbandes der Simmentaler Rinderviehzüchter führte.
Ab 1903 widmete sich Wieninger verstärkt der Geflügelzucht und errichtete einen Geflügelhof.
1906 wurde für die Getreidezucht in Otterbach eine Saatzuchthalle errichtet. Die Züchtungen wurden von der Saatzuchtstation Reichersberg übernommen.
Für den Obstbau mit ca. 500 Obstbäumen wurden die Bäume in einer eigenen Baumschule gezogen.
Auf dem Gut befanden sich 22 ständig beschäftigte Arbeiter. Bei 12-stündiger Arbeitszeit mit 2-stündiger Pause erhielten sie pro Tag 1 Krone 20 Kreuzer und 3 Liter Bier oder Most.
Im Juli 1912 erwarb das Land Oberösterreich das Gut Otterbach. Der Wald, den Wieninger nie angerührt hatte, sondern in einem sehr naturnahem Zustand belassen hat, wurde geschlägert, das Museum zugesperrt, die Vortragstätigkeit und die Forschungsarbeit eingestellt.
Schätzungen des Gutes Otterbach vom 16. Jänner 1912
Es ist bekannt, dass in Oberösterreich und weit darüber hinaus kein Gut besteht, in welchem wie bei dem Mustergute Otterbach, alle modernen Betriebsmittel in Anwendung kommen, welche die rationelle Land- und Forstwirtschaft, die Vieh- und Fischzucht bedingen.
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Gebäudestand: Museumsgebäude mit photographischer Dunkelkammer, Vortragssaal mit 100 Sitzplätzen, Bibliothek, botanische Abteilung (Laboratorium) und zoologische Abteilung (Anatomie)
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Gebäude mit Backhaus, raum für Futterdämpfer, Kartoffelwaschmaschine und 3 Räume für Geflügelzuchtzwecke
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Schafstall und darunter Kartoffelkeller, Krautkeller, Gemüsekeller
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Remise für Ackergeräte, Mauerwerkzeug und Brückenwaage
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Schweinestall für Mutterschweine und Jungschweine
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Schweinestall für Kreuzungstiere mit 14 Abteilungen
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Maierhof: Geschlossener Hof mit Haustrakt, Kuhstall mit Kälber und Ochsen sowie Scheune
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Mühlengebäude mit Wasserturbine und Gewürzstampfe. Die Turbine betrieb neben der Mühle den Elektromotor, die Dreschmaschine, die Futterschneidmaschine und die elektrische Beleuchtung
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Im Haustrakt befinden sich neben den Wohnräumen, die Käserei mit Kupferkessel und Käsepresse sowie die Brennerei mit Dampfkessel und Destillierapparat.
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Stierstall und Kälberlaufstall mit anschließendem Eiskeller und Schlachthaus
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Saatzuchthalle mit Putzereianlage und Edelsaatgutkästen
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2 Bienenhütten
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Säge mit einfachem Gatter und Wasserrad
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Fischerhäusl mit angeschlossener Fischbrutanstalt und Teich
